6 + 6 Jahre Wissenschaftszeit

Wie funktioniert das?

Das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) erlaubt Befristungen ohne weiteren Sachgrund, damit Personen eine Qualifizierung (Promotion, Habilitation etc.) erreichen. Die Befristung soll so gewählt werden, dass sie dem Qualifizierungsziel angemessen ist. Eine Befristungsphase darf vor der Promotion maximal sechs Jahre umfassen, eine zweite nach der Promotion wiederum sechs Jahre (Medizin neun Jahre) plus nicht genutzte Zeiten aus der Phase vor der Promotion. Was hier angerechnet wird und was nicht, ist sorgfältig zu prüfen.

Der erste Promotionsvertrag wird in der CAU i. d. R. für drei Jahre abgeschlossen, die Weiterbeschäftigung dann für eine Zeit entsprechend einer individuellen Prognose. Es dürfen aber maximal sechs Jahre befristete Beschäftigung sein.

Es gibt kein Anrecht auf die sechs bzw. zwölf Jahre!

Und nach der Promotion?

Da geht es nochmals sechs Jahre weiter (in der Medizin sogar neun Jahre).

Und nach der Habilitation?

Nach zwölf Jahren (Medizin: 15 Jahre) ist Schluss, egal ob die Habilitation erreicht wurde oder nicht.

Ausnahme: Vor der Promotion wurde nicht die gesamte Zeit von sechs Jahren "verbraucht", dann kann diese Zeit nach der Promotion (auch nach der Habilitation) nachgewährt werden.

Einige wenige andere Ausnahmen: bitte beraten lassen! z. B. 6-plus4-Jahre-Programm (Für diejenigen, die sich auf der befristeten Qualifizierungsstelle rechtzeitig erfolgreich habilitieren oder erolgreich eine Juniorprofessur absolvieren, macht das Präsidium das Angebot, bis zu vier Jahre Verlängerung zu erhalten, um aus der Position an der CAU heraus nach einem Ruf zu suchen. Hierzu muss aber das Institut die Stelle bereitstellen, also nicht neu besetzen.)

Was sind sonstige Qualifizierungen?

Neben der Befristung zur Promotion ode rzur Habilitation gibt es die Möglichkeit, zu sonstigen Qualifizierungen beschäftigt zu werden. Solche Qualifizierungen sind bislang nicht definiert. Nach dem Masterexamen gibt es neben diesen beiden Wegen keine weiteren strukturierten Qualifizierungen an deutschen Hochschulen. Sicherlich ist eine rein praktische Ausbildung keine Qualifizierung, die einer deutschen Hochschule angemessen wäre. Bis zu diesem Bereich Abmacheungen oder gerichtsurteile exisitieren, tasten sich die Hochschulen an dieses Thema heran, die eine Hochschule geht da weiter als die andere. Es besteht nämlich immer die Gefahr, dass jemand mit einer solchen Befristung sich bis zwei Wochen nach Ende der Befristung an ein Arbeitsgericht wendet und um Entfristung klagt, weil die genannte Qualifizierung nicht dem Gesetz entspricht. Das müsste dann durch die Instanzen geklagt werden. Sicherlich geschieht das in den nächsten Jahren. Doch alles wären vermutlich Einzelentscheidungen.

Nach diesen Fristen gehen Befristungen nur noch in Drittmittelprojekten für die Laufzeit des jeweiligen Projektes.

Weitere Befristungsmöglichkeiten

Hinzu kommen ein paar Möglichkeiten der Befristung nach Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG), etwa zur Vertretung von erkrankten Personen, von Personen in Mutterschaftsschutz oder in Elternzeit.

Und schließlich kann jede Person zunächst für maximal zwei Jahre befristet angestellt werden, ohne dass ein Grund genannt werden muss. In diesem Falle darf aber die einzustellende Person in den letzten drei Jahren zuvor nicht beim selben Arbeitgeber beschäftigt gewesen sein. Es ist zu beachten, dass bei Hochschulbeschäftigten i. d. R. das Land der Arbeitgeber ist. Sowohl bei einigen Parteien, als auch bei den Gewerkschaften gibt es Versuche und Pläne, solche "sachgrundlosen" Befristungen zu verbieten. Es st möglich, dass dies in den nächsten Jahren tatsächlich geschieht.

Gibt es Verlängerungsmöglichkeiten?

Ja. Einige müssen gewährt werden, andere können gewährt werden ("Gnade" des Instituts!):

  • Gewährt werden müssen alle Zeiten, in denen nicht gearbeitet wurde, weil der Mutterschutz lief, die Elternzeit lief, enge Verwandte gepflegt wurden, Reduzierungen wegen Aufgaben im Personalrat, als Gleichstellungsbeauftragte etc.
  • Es können weitere Zeiten der Verlängerung über die ersten sechs bzw. alle zwölf Jahre hinaus gewährt werden, dies muss aber nicht geschehen, das Institut kann das verweigern, ohne Gründe nennen zu müssen. Möglichkeiten existieren etwa für die Erzehung von Kindern (zusätzlich zur bzw. unabhängig von der Elternzeit).

 

Was wird auf die sechs bzw. zwölf Jahre angerechnet?

Vor der Promotion: Angerechnet wird jede befristete Beschäftigung an einer deutsche Hochschule oder außeruniversitären Forschungseinrichtung, egal wie der Vertrag abgeschlossen wurde, egal wer der Geldgeber ist. Alles, was mehr als ca. 43 Stunden/Monat Beschäftigung ist, wird angerechnet! Auch Beschäftigungen in Drittmittelprojekten werden angerechnet! Auch Verträge zur Sicherung der Lehre werden angerechnet! Auch HSP-Stellen werden angerechnet! Das steht so im Gesetz. Lediglich Verträge als Wissenschaftliche Hilfskraft mit BA werden nicht angerechnet.

Gerichtlich noch nicht endgültig geklärt ist, ob z. B. Professurvertretungen auf die zwölf Jahre anfgerechnet werden oder nicht.

Besonderheiten für Restzeiten aus der Promotionsphase: Ausland, Stipendium, Arbeitslosigkeit

Restzeiten aus der Phase vor der Promotion gibt es nach der Promotion nur, wenn die erste Phase zeitlich weniger als sechs Jahre gedauert hat. Um die Restzeit zu bestimmen, werden auch Zeiten im Ausland, Zeiten mit Stipendium und sogar Zeiten ohne Beschäftigung angerechnet. Hier müsste man glaubhaft versichern bzw. nachweisen, dass man während der Arbeitslosigkeit gar nicht mehr die Promotion verfolgt hat. Beschäftigungszeiten aus der freien Wirtschaft etwa werden nicht angerechnet.